Kolpingplatz 1 • 82515 Wolfratshausen-Waldram • Tel.: 08171–2 57 25 02 • E-Mail: info@badehauswaldram.de



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Eine Fotodokumentation: “Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram”

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Unser Beitrag zu 60 JAHRE WALDRAM:
Seit Sonntag, 7.5.2017 ist die Ausstellung auch direkt am BADEHAUS zu sehen!
Eröffnung war um 15 Uhr, der Eintritt frei – und das Interesse zur Eröffnung war riesengroß!

In Kooperation mit dem Historischen Verein Wolfratshausen und der Fachberatung Heimatpflege im Bezirk Oberbayern

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BfB, BADEHAUS, Auenausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram"

 

BfB, Außenausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram"

 

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PRESSE
4.5.17 – merkur.de/Wolfratshausen – Dominik Stallein
“Man muss die Geschichte fühlen können”
Waldram feiert Geburtstag. Seit 60 Jahren besteht der südlichste Stadtteil Wolfratshausens. An diesem Wochenende gibt es ein umfangreiches Festprogramm. Unser Mitarbeiter Dominik Stallein sprach mit dem Vorsitzenden der Siedlungsgemeinschaft, Wolfgang Saal.
4.5.17 – sueddeutsche.de/Wolfratshausen – Benjamin Engel
Verwurzelt in Waldram
Erst Nazi-Siedlung, dann Zuflucht für Holocaust-Überlebende, vor 60 Jahren kamen katholische Vertriebene: Nirgends in der Region ballt sich die deutsche Geschichte so wie in dem Wolfratshauser Stadtteil

 

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BfürB, Fotodokumentation "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram"

1. Station der Ausstellung:

Ort: Fachberatung Heimatpflege, Maierhof des Klosters Benediktbeuern
Dauer: 2.–25. April 2017

BfürB, Flyer Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram"
 

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BfB, "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Vernissage Benediktbeuern

Vernissage mit mehr als 250 begeisterten Besuchern, darunter vielen Zeitzeugen aus Waldram und Föhrenwald.
Ganz links, stehend, Gerd Schielein, der die Fotodokumentation grafisch gestaltet hat

 

Bericht über die Vernissage in Benediktbeuern von Simone Steuer

Am Vormittag des 2. April 2017 besuchten rund 250 Menschen den Maierhof des Klosters Benediktbeuern, um mit uns die Eröffnung der Wanderausstellung „Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram“ zu feiern.

Nach einem Begrüßungslied der „Waldramer Sängerinnen“ und der Harfenistin Monika Schmidt folgten Grußworte des Bezirksheimatpflegers Dr. Norbert Göttler, der sich besonders freute, viele junge Menschen im Publikum ausmachen zu können. Auch der Stellvertretende Bezirkstagspräsident Michael Asam richtete zur Begrüßung einige Worte an die Gäste. Er hob speziell die aktuelle Relevanz der Ausstellung in Bezug auf die momentane Lage geflüchteter Menschen in Deutschland hervor und lobte das Engagement der ehrenamtlichen Helfer des BADEHAUS-Vereins, ohne die die Ausstellungseröffnung nicht möglich gewesen wäre . . . Weiterlesen

 

VERNISSAGE – BILDERAUSWAHL


Displaced Persons
Im Wolfratshauser Forst entstand nach dem Zweiten Weltkrieg eines der größten und das am längsten bestehende Lager für jüdische Displaced Persons (DPs) in ganz Deutschland. Heimatlos gewordene Juden aus Osteuropa warteten hier auf ihre Ausreise nach Palästina/Israel oder hofften, in einem anderen Land ein neues Leben beginnen zu können. Sie bezeichneten sich selbst als “She’erit Hapletah”, was soviel bedeutet wie “Rest der Geretteten”.
Das DP-Lager Föhrenwald war das letzte “Schtetl” in Europa. Nach Kriegsende entwickelte sich hier unter UN-Verwaltung eine autonome Gemeinschaft mit einer vielschichtigen Infrastruktur. Die amerikanisch-jüdische Hilfsorganisation JOINT baute Kindergärten, Schulen, Sport- und Ausbildungsstätten. Es gab ein Kino, ein Theater, ein Krankenhaus und sogar eine eigene Lagerzeitung. Im Lauf von zwölf Jahren lebten, weitgehend abgeschirmt von der Außenwelt, Tausende Menschen in dieser Enklave jüdischen Lebens.
Im Februar 1957 mussten die letzten DPs das Lager verlassen. Sie wurden v.a. in München, Frankfurt a.M., Düsseldorf und Köln untergebracht.

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Heimatvertriebene
1955 kaufte das Katholische Siedlungswerk die Liegenschaft, um Wohnraum für Vertriebene zu schaffen. Während die Umbauarbeiten im nördlichen Teil des Lagers auf Hochtouren liefen, wohnten die letzten DPs in den baufälligen Häusern des anderen Lagerteils. Kontakte zwischen den jüdischen Bewohnern, die das Lager nun endgültig verlassen mussten, und den frisch eingezogenen Siedlern waren selten, es gab gegenseitiges Misstrauen und Spannungen.
Die neuen Bewohner waren meist katholische, kinderreiche Familien, die als Folge des Zweiten Weltkriegs 1946 aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Sie kamen aus Böhmen und Mähren, Jugoslawien, Rumänien, Ostpreußen, Schlesien, Siebenbürgen, dem Sudetenland, Österreich und Ungarn. Nach mehreren Zwischenstationen in Deutschland konnten sie sich, zehn Jahre nach ihrer Vertreibung, im Isartal ein neues Leben aufbauen. 1957 wurde Föhrenwald in Waldram umbenannt. Zunehmend fanden hier auch nichtkatholische und nicht aus ihrer Heimat vertriebene Menschen ein neues Zuhause.

BfürB, Fotodokumentation   PDF Info-Tafel: Fotodokumentation “Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram”

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BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Straße  

Ein zentraler Ort im DP-Camp
Im “Badehaus” am Independence Place befanden sich der Sanitärbereich des Lagers und ein jüdisches Ritualbad, die Mikwe. Der Independence Place hieß in der NS-Zeit Danziger Freiheit und wurde nach Ende des DP-Camps zum Kolpingplatz.


Spaziergang im Föhrenwald
Als Heimatvertriebene hier eine neue Heimat fanden, wurde der Ort in Waldram umbenannt. Die Wälder rund um die Siedlung blieben nach wie vor beliebtes Ausflugsziel und ein Abenteuerspielplatz für die Kinder.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Zwillinge  

Sonja & Rosa Moczydlower
Die Zwillinge freundeten sich mit Irmentraud Wohlfahrt an, die als eine der wenigen Christinnen im DP-Camp lebte und als Köchin im Lagerkrankenhaus arbeitete. Die Moczydlowers zogen in die USA und kontaktierten Jahrzehnte später die inzwischen hochbetagte Waldramerin.


Hildegard & Annemarie Brustmann
Die aus Südmähren vertriebene neunköpfige Familie Brustmann lebte seit 1956 in derselben Straße wie die Moczydlowers. Die einstige California Street wurde im Zuge einer “Katholisierung” des Ortes zur Bettingerstraße – nach Franziskus v. Bettinger, Kardinal-Erzbischof von München und Freising.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Waisenhaus  

Vor dem Waisenhaus
Viele jüdische Kinder hatten keine Familie mehr. Ihre Eltern waren im Holocaust umgekommen, während sie selbst versteckt wurden und deshalb überleben konnten. Die Mitarbeiterinnen einer amerikanisch-jüdischen Hilfsorganisation schufen den Waisen ein neues, wenn auch vorläufiges Zuhause in Föhrenwald.


Kinderreiche Familien
Das Siedlungs- und Wohnungsbauwerk der Erzdiözese München-Freising kaufte 1955 das Areal. Bei der Vergabe ihrer Häuser wurden heimatvertriebene, katholische und kinderreiche Familien bevorzugt. Hier neun Kinder der Familie Röttig aus Nordböhmen.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Hoher Besuch  

Offiziersbesuch in Föhrenwald
Das Foto stammt von Marion v. Binsbergen. Sie war in Föhrenwald als Sozialarbeiterin tätig. 1983 wurde sie von der Gedenkstätte Yad Vashem für die Rettung von jüdischen Kindern während des Holocaust als “Gerechte unter den Völkern” ausgezeichnet.


Kardinalsbesuch in Waldram
Zur Einweihung der Waldramer Kirche kam Josef Kardinal Wendel 1957 in die Siedlung. Für Gläubige war dies ein wichtiges Ereignis. Als Autoritäten galten nun katholische Würdenträger und nicht mehr Militärs.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Freunde  

Freundinnen in Föhrenwald
Pesa Balter, Chaia Libstug und Pela Roset (v.l.n.r.) auf einer Lagerstraße. Das DP-Camp war eine Enklave jüdischen Lebens, die durch einen Zaun von der deutschen Außenwelt getrennt war. Hier konnten sich die Überlebenden der Schoah frei und sicher fühlen.


Freunde in Waldram
Peter und Thomas Kunzmann mit Hans Magerl (v.l.n.r.) auf ihrem Heimweg von der Isar. Der Zaun, der früher das Lager umgab, wurde bei der Ortsrenovierung entfernt. Die Kinder hatten nun einen freien Zugang zu den Wiesen und Wäldern rund um die Siedlung.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Schule  

Die Föhrenwalder Tarbut-Schule
“Tarbut” bedeutet Kultur. Der auf Hebräisch erteilte Unterricht umfasste Bibelkunde, technisch-berufliche Fächer, Literatur, Geschichte und jüdische Kultur. Später wurde der Unterricht der Lagerkinder dem deutschen Lehrplan angepasst und von deutschen Lehrkräften erteilt.


Die Waldramer Grundschule
Anfangs sollten die Waldramer Kinder nach Wolfratshausen in die Schule gehen, mehrere Kilometer zu Fuß auf einer Bundesstraße. Besorgte Eltern erkämpften zunächst eine Behelfsschule am Ort, 1960 wurde dann die neu erbaute Volksschule Waldram eröffnet.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Fahrrad  

Das Fahrrad – ein Schatz
Auch wenn die Überlebenden der Schoah versuchten, ihren Kindern viele Wünsche zu erfüllen, blieb der Besitz eines Fahrrads eine große Ausnahme. Majer Szanckower bekam das Rad von seinem Vater geschenkt, damit sie gemeinsam nach Wolfratshausen radeln konnten.


Das Fahrrad – die Freiheit
In den 1960er Jahren verabredeten sich viele Waldramer Kinder zum gemeinsamen Radeln wie hier Franz Lettfuß und Gerhard Lerch. Sie genossen die kindliche Erfahrung von Freiheit und Unabhängigkeit. Auf den ruhigen Siedlungsstraßen fuhren damals nur wenige Autos.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Basket- und Fußball  

Beim Basketball
Kinder und Jugendliche konnten im DP-Camp verschiedene Sportarten ausüben: Neben dem Basketball-Club war vor allem der Fußballverein “Makabi Ferenwald” sehr beliebt. Angeboten wurden im Lager auch Boxen, Leichtathletik, Turnen und rhythmische Gymnastik.


Beim Fußball
1958 gründeten einige “Siedler” den Sportverein DJK (Deutsche Jugendkraft) Waldram. Für die Kleinen gab es schon früh ein breites Angebot an Sportarten. Den größten Zulauf hatte auch in Waldram der Fußball, hier eine Mannschaft von 1961.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Konzert  

Konzert an Lag baOmer
Viele Lagerbewohner waren sehr musikalisch.
Föhrenwald hatte einen eigenen Kinderchor und ein Kinderorchester. Das Fest Lag baOmer geht auf den Bar-Kochba-Aufstand gegen die römische Besatzungsmacht 132–135 n.u.Z. zurück.


Chor bei der Schuleröffnung
Musik spielt bis heute in Waldram eine wichtige Rolle. Schon früh gründeten sich hier viele Chöre und Musikgruppen. Im Schulchor von Lehrer Rudolf Baumgartl (rechts) konnten alle Kinder mitsingen. Das Foto zeigt die Eröffnung der Waldramer Behelfsschule im September 1956.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Purim  

Purimfeier im Kindergarten
Dieses Fest erinnert an die Errettung der Juden in der persischen Diaspora im 5. Jahrhundert v.u.Z. Purim wird von Kindern in faschingsähnlichen Kostümen gefeiert, Freunden und Bekannten schenkt man an diesem Tag Selbstgebackenes.


Fasching vor dem Badehaus
Der ursprünglich heidnische Brauch zur Winteraustreibung wurde im christlichen Mittelalter umgewandelt. Die närrischen Tage vor der sechswöchigen österlichen Fastenzeit feierten die Waldramer Kinder ausgelassen auf der Straße.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Lichterfest  

Ein jüdisches Lichterfest
Während der acht Tage von Chanukka wird jeden Tag eine weitere Kerze am Festtagsleuchter angezündet. Chanukka bedeutet “Wiedereröffnung” und erinnert an die Einweihung des Zweiten Tempels in Jerusalem im Jahr 164 v.u.Z.


Ein christlicher Lichterbrauch
An den vier Sonntagen vor Weihnachten wird jeweils eine Kerze am Adventskranz angezündet, wie hier 1960 bei der Familie von Sabine Hoffischer. Advent verweist auf die “Ankunft” Jesu Christi. Die vierwöchige Adventszeit dient der Vorbereitung auf den Heiligen Abend.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Religionsunterricht  

Talmudschule in Föhrenwald
An der Tafel steht auf Hebräisch: “Talmud Tora Föhrenwald”. In dieser Schule, die aus der Anfangszeit des Lagers stammt, wurde religiöse Elementarkunde für Jungen unterrichtet. Traditionell ist den Mädchen das Tora-Studium nicht erlaubt.


Kommunion in Waldram
Katholische Kinder dürfen ab ihrer Erstkommunion am heiligen Sakrament der Eucharistie teilnehmen. Zu dieser besonderen christlichen Feier ziehen die Kommunionkinder durch den Ort zur Kirche, hier geleitet von Pfarrer Helmut Rogger Anfang der 1960er Jahre.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Großvater  

Der Großvater – eine Seltenheit
In Föhrenwald gab es nur wenige alte Menschen.
Sie waren – wie auch die meisten jüdischen Kinder und Kranken – von den Nationalsozialisten als erste umgebracht worden. Nur wer arbeiten konnte, hatte in den Konzentrationslagern eine Überlebenschance.


Die Großeltern – eine Normalität
Die meisten Kinder in Waldram kannten ihre Großeltern oder lebten sogar mit ihnen unter einem Dach. Viele Heimatvertriebene versuchten, in der Fremde zusammenzubleiben oder zumindest einen engen Kontakt mit der Verwandtschaft zu halten, wie hier bei Familie Lerch 1957.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Salamander, Brustmann  

Rachel & Beno Salamander
Familie Salamander kam nach Aufenthalten in den DP-Lagern Hof, Deggendorf und Feldafing 1951 nach Föhrenwald. Zwei Jahre später starb die Mutter. Der Vater verließ als einer der letzten Bewohner 1956 mit seinen beiden Kindern das Lager und zog nach München.


Monika & Josef Brustmann
Familie Brustmann musste nach ihrer Vertreibung ebenfalls von Ort zu Ort ziehen, ehe die neunköpfige Familie 1956 im Isartal sesshaft wurde. Die Musikalität der Großfamilie erleichterte ihre Integration. Heute lebt schon die vierte Generation in Waldram.
 
BfürB, Ausstellung "Kinderwelten in Föhrenwald und Waldram", Warten  

Warten auf die Ausreise
Kranke Kinder hatten es mit ihren Familien schwer, ein Land zu finden, das sie aufnahm. Norwegen erlaubte schließlich die Einreise von geheilten TBC-Patienten. Der Junge auf dem Foto kam später nach Deutschland zurück und wurde in München Arzt.


Angekommen in der neuen Heimat
Brigitta, Juliana und Cornelia Peter (v.l.n.r.) warteten 1965 auf der Terrassenmauer ihres Elternhauses darauf, ihre Handabdrücke im frischen Beton verewigen zu dürfen. Die aus dem Sudetenland vertriebene Familie gelangte 1961 über Umwege nach Waldram.
 

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Ein Projekt des Vereins “Bürger fürs BADEHAUS Waldram-Föhrenwald e.V.”, des Historischen Vereins Wolfratshausen e.V.
und der Fachberatung Heimatpflege des Bezirks Oberbayern

Idee: Dr. Sybille Krafft | Konzept: Kirsten Jörgensen†, Dr. Sybille Krafft, Simone Steuer | Gestaltung: Gerhard Schielein | Technik: Wolfgang Saal

Fotos: Privatbesitz | Ghetto Fighters’ House, Jerusalem | Joint Distribution Committee, New York |
United States Holocaust Memorial Museum, Washington | Yad Vashem, Jerusalem

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